Warum eine wörtliche Übersetzung im Studio immer entgleist
Wenn Sie ein Übersetzungsbüro bitten, ein Skript zu übersetzen, erhalten Sie in der Regel einen grammatikalisch korrekten Text. Rhythmisch ist dieser aber oft unumsetzbar. Ein französischer oder englischer Satz hat eine ganz andere Kadenz als ein deutscher Satz. Versuchen Sie, diese Übersetzung unbearbeitet über das Originalbildmaterial zu legen, passiert etwas Ärgerliches: Der Synchronsprecher muss sich entweder beeilen, um den Satz zu beenden, bevor der Sprecher im Bild seinen Mund schließt. Oder er muss sich quälend langsam ziehen lassen.
Das Ergebnis fühlt sich an wie ein billiger Anzug von der Stange, dessen Hosenbeine viel zu lang sind: Sie können den Stoff zwar hochkrempeln, aber jeder sieht sofort, dass er nicht passt. Gute Synchronisation beginnt daher nicht am Mikrofon, sondern am Schreibtisch. Wir kürzen Sätze. Wir ordnen Nebensätze neu an. Wir wählen Synonyme, die exakt gleich viele Silben wie das Original haben.
Drei Schritte, um Budgetverschwendung bei Video-Adaptionen zu vermeiden
Damit ein Videoprojekt nicht zu einem Fass ohne Boden voller Korrekturrunden wird, wenden Sie am besten eine klare Methodik an.
- Auf Timecodes umschreiben: Arbeiten Sie nicht mit einem losen Word-Dokument. Übersetzen Sie direkt neben den Timecodes des Quellmaterials. Messen Sie pro Szene, wie viele Sekunden Sprechzeit tatsächlich verfügbar sind.
- Sprecher mit spezifischer Studioerfahrung auswählen: Nicht jede angenehme Stimme kann lippensynchron agieren. Eine Stimme wie Kristien oder Christina beherrscht die Technik, millimetergenau zu timen, ohne dass es verkrampft klingt. Für französischsprachige Produktionen wählen Sie ebenso eine erfahrene Sprecherin wie Estelle. Sie weiß genau, wie französische Sprechrhythmen funktionieren.
- Eine klare Kostenstruktur anwenden: Fragen Sie im Voraus, wie die Tarife aufgebaut sind. Für nicht-kommerzielle Arbeiten, wie interne Schulungen oder E-Learning, gilt meist ein Tarif pro Wort oder pro abgeschlossenem Projekt. Bei kommerziellen Spots zahlen Sie einen festen Basistarif für die Aufnahme und eine Buy-out für das Senderecht. Indem Sie dies vorab abgrenzen, vermeiden Sie spätere finanzielle Überraschungen.
Regie-Tipp: Achten Sie auf Plosivlaute und Atempause
Im Aufnahmestudio achten wir als Regisseure auf viel mehr als nur die Aussprache. Eine goldene Regel, die Ihnen Hunderte von Euro sparen kann: Achten Sie auf die Bewegung der Lippen bei Plosivlauten wie 'b', 'p' und 'm'. Wenn die Person auf dem Bildschirm die Lippen fest aufeinanderpresst, kann der Synchronsprecher keine offenen Laute wie 'a' oder 'o' von sich geben. Das wirkt für den Zuschauer sofort störend, selbst wenn er nicht benennen kann, was genau stört.