Der richtige Abstand zur Membran
Bei der Vorbereitung im Aufnahmeraum stellen wir das Mikrofon sehr spezifisch ein. Dokumentarfilme erfordern eine andere akustische Nähe als ein Radiospot oder ein Unternehmensfilm. Klingt eine Werbebotschaft oft straff und projiziert, suchen wir hier nach Intimität.
- Die physische Position: Wir platzieren den Sprecher etwas weiter vom Popfilter entfernt als bei kommerziellen Produktionen. Das sorgt für einen natürlichen, offenen Klang ohne übertriebene Bassklänge.
- Das Lesetempo: Wir verringern das Tempo bewusst. So können Worte zwischen den Szenen wirken.
- Die Dynamik: Wir vermeiden harte Ausbrüche. Wir konzentrieren uns auf einen stabilen, entspannten Sprechton, der vierzig Minuten lang angenehm anzuhören bleibt.
Regie-Tipp: Lassen Sie die Atmung leben
In kommerziellen Produktionen schneiden Techniker oft jeden Atemzug gnadenlos weg, um Zeit zu sparen. Bei einem Dokumentarfilm ist das schädlich. Schneiden Sie die Atmung zwischen den Sätzen weg, klingt der Erzähler schnell wie ein Roboter. Das nimmt einer Szene die Spannung.
Mein fester Rat während der Aufnahme: Lassen Sie den Sprecher hörbar einatmen, bevor es im Skript eine emotionale Wendung gibt. Dieser kleine Bruchteil einer Sekunde Menschlichkeit verankert den Zuschauer in der Realität des Themas. Der Unterschied zwischen einem distanzierten Bericht und einer fesselnden Geschichte liegt genau in diesen minimalen Imperfektionen.
Das Skript vor Ort kürzen
Während der Aufnahmesession merken wir regelmäßig, dass geschriebene Sätze auf dem Papier wunderschön aussehen. Doch laut ausgesprochen wiegen sie zu schwer. Gemeinsam mit dem Regisseur streichen wir dann vor Ort überflüssige Worte. Non-Fiction verlangt Umgangssprache: Sätze, die leicht über die Lippen gehen und direkt verstanden werden. Der Zuschauer muss nicht zurückspulen.
Eine geübte Stimme spürt sofort, wo ein Satz hakt. Indem wir gemeinsam am Rhythmus feilen, sorgen wir dafür, dass die Stimme natürlich zur Musik und den Pausen in der Tonspur passt.
Die Endbearbeitung und Rechte-Struktur
Sobald die Aufnahmen abgeschlossen sind, beginnt die Nachbearbeitung. Wir bereinigen das Audio, gleichen die Lautstärke an und sorgen für einen klaren Mix. Dieser bleibt sowohl auf einem Fernseher als auch auf einem Laptop erhalten.
Auch geschäftlich halten wir die Dinge gerne klar. Bei nicht-kommerziellen Projekten, wie einem Bildungsdokumentarfilm oder einem Kulturfilm, arbeiten wir in der Regel mit einem Tarif pro Wort oder pro Projekt. Handelt es sich um einen gesponserten Dokumentarfilm mit kommerziellen Senderechten, setzen wir den Preis zusammen aus einem festen Basistarif für die Aufnahme. Hinzu kommt eine passende Vergütung für die spezifische Nutzung und die Laufzeit. So weiß jede Partei im Voraus genau, woran sie ist.